In diesem Primitivo di Manduria Test setzten wir unsere Reihe an Vergleichen von Winzerweinen zu Diskounterweinen fort. Getestet werden jeweils Weine, die wir bei den einschlägigen Discountern wie Netto, Lidl oder Aldi erwerben. Manchmal verkosten wir sie im direkten Vergleich zu Weinen aus unserem Geschäft, also hochwertigen Winzerweinen, aber auch einzeln. Seien sie gespannt…

Licuriti Bio 2022 von Trullo di Pezza
Trullo di Pezza ist ein familiengeführtes Bio-Weingut in Torricella bei Manduria, mitten im Primitivo-di-Manduria-Anbaugebiet in Apulien. Gegründet 2013 von den Schwestern Simona und Marika Lacaita, die den Betrieb von ihren Eltern übernahmen. Namensgebend ist eine alte Masseria (Gutshof mit Trullo) aus dem Jahr 1830 auf dem Anwesen. Die Schwestern bewirtschaften rund 30 Hektar auf der für die Region typischen „Terra Rossa“ (rote, kalkhaltige, mineralreiche Böden), davon 20 ha Primitivo, 5 ha Negroamaro sowie kleinere Flächen Aglianico und Fiano; die Nord-Süd-Ausrichtung der Rebzeilen sorgt für gleichmäßige Reife. Der gesamte Betrieb ist biozertifiziert. Weinistgeil hat den Wein inzwischen im Angebot.
Verkostung: Tiefes, dichtes Rubinrot mit violetten Reflexen. In der Nase zunächst würzig-zurückhaltend, mit Luft treten reife dunkle Frucht (Pflaume, Kirsche), dazu Kakao- und Tabaknoten sowie feine Lorbeer-/Myrtenanklänge hervor – deutlich mehr Tiefe und Kräuterwürze als beim typischen Massen-Primitivo. Am Gaumen füllig und seidig, mit saftiger Himbeer-/Kirschfrucht, reifen, präsenten Tanninen und einer lebendigen Säure, die den 15 % Alkohol gut trägt und für Spannung sorgt statt für reine Süße. Langer, würziger Nachhall. Ein ernstzunehmender, authentischer Primitivo mit Ecken und Charakter – sollten Sie probieren

Maestro de Pigo 2023 – Lidl
Und wieder ein Angebot bei Lidl: Ein Primitivo di Manduria 2023 für 4,99 Euro. Da war ich gespannt. In der Regel sind die Primitivo di Manduria Weine auch bei den Diskountern immerhin trinkbar. Allein die Richtlinien für den DOC Wein verhindern schlimmes. Oft geraten sie etwas zu süß. Um es vorweg zu nehmen, dieser hier ist durchaus genießbar – für den Preis, ein ok Wein.
„Maestro de Pigo“ ist eine Hausmarke, unter der Lidl in Deutschland und der Schweiz mehrere Puglia-Weine führt (u. a. diesen Primitivo di Manduria DOC sowie einen einfacheren Primitivo Puglia IGP) – das aufwendige Wappen-Etikett mit Goldprägung suggeriert Tradition und einen „Maestro“, ist aber reines Marketing-Branding ohne eigene Winzerfamilie oder eigene Weinberge dahinter. Laut Rückenetikett abgefüllt von La.Wi. S.p.A., Santeramo in Colle (Provinz Bari), in der Kellerei (cantina) di Laterza (Provinz Taranto) – tatsächlich also mitten im Primitivo-di-Manduria-Anbaugebiet in Apulien abgefüllt, das stimmt. „La.Wi.“ selbst tritt aber nirgends als eigene Weinmarke mit eigener Geschichte auf; es handelt sich erkennbar um einen größeren Abfüll-/Handelsbetrieb, der Trauben bzw. Fasswein aus der Region zukauft und unter wechselnden Fantasienamen für den Handel abfüllt – ein typisches Muster bei Discounter-Eigenmarken.
Zur Verkostung: Dunkles Rot; Nase mit reifen dunklen Beeren, Pflaume und deutlicher Vanillenote – Letztere wirkt eher nach Holzchips/Aromatisierung als nach echtem Barrique-Ausbau. Am Gaumen süße, kompotthafte Frucht, weiche, kaum spürbare Tannine, wenig Säure – glatt und unkompliziert gemacht, mit dem für diese Preisklasse typischen, leicht aufgesetzten Vanille-Schmelz. Solider, fehlerfreier Trinkwein für den schnellen Konsum, aber ohne Ecken, Würze oder Mineralik – austauschbar und klar auf Breitenwirkung statt auf Primitivo-Typizität getrimmt. Mein Fazit nochmal – für den Preis akzeptabel.

Gvitae TorreSanta von Netto
Primitivo di Manduria für 6,99 Euro von Netto im März 2025 verkostet. Der Jahrgang ist 2022 und der Wein hat 14% Alkohol, liegt also im Normalbereich für diese Art von Primitivos. Die hochwertigeren Exemplare haben dann bis zu 16% Alkohol. Trotzdem ist der hohe Alkoholgehalt kein Qualitätskriterium. Das Weingut dahinter nennt sich Torre Santa und gehört zur Torrevento Group. Das Weingut selbst stellt wirklich nur regionale Weine her. Ob die Trauben auch zugekauft werden, kann man nicht sagen, vermute ich aber. Trotzdem ist das Wein Portfolio überschaubar.
Der Wein selbst ist ein typischer Primitivo di Manduria, deutlich kräftiger und runder als ein normaler Primitivo, allerdings auch weniger elegant, dunkel und fruchtig wie die Winzerweine, die ich bisher verkostet hatte. Er hat leichte Röstnoten nach Vanille und Schokolade, aber eben nicht so intensiv. Seine Säure mit 6g/l liegt eher etwas höher, was man aber wegen der 9g/l Restzucker nicht als zu störend wahrnimmt, aber immer wieder während der Verkostung wahrnimmt. Vom Zuckergehalt ist der Wein also klar auf der trockenen Seite. Für mich ist der Wein ok, kein Highlight, aber durchaus trinkbar.

Bei allen drei Weinen handelt es sich um DOC Weine. Doch nun zu den einzelnen Rotweinen:
Ad Hoc von Tenuta Giustini
Der Ad Hoc Wein ist bereits seit Jahren im Sortiment von Weinistgeil und gehört zur Design Collection des Weinguts Tenuta Giustini. Das Weingut produziert Primitivo Weine in unterschiedlichen Ausprägungen. Dabei sind zwei Primitivo di Manduria Weine. Ich würde den Ad Hoc eigentlich als halbtrocken bezeichnen, auch wenn er als trockener Rotwein offiziell vermarktetet wird. Die Farbe dieses Rotweins ist rubinrot mit dunkleren Nuancen. Er duftet nach Pflaumen, Kirschen und Tabak. Allerdings ist er am Gaumen weich, mit einem vollen Körper, hat edle Tannine und ist im Abgang anhaltend. Ich hatte den Jahrgang 2018 im Test, der einige Noten von Honig hatte. Ein Wein, den ich nicht unbedingt zum Essen empfehlen würde, aber sicherlich als Entspannungswein danach.
Empfohlene Produkte
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AD HOC Primitivo di Manduria – Tenuta Giustini
14,90 € – 15,49 €
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ETERIA – Primitivo Di Manduria Bio – Cerfeda
22,99 € – 23,00 €
Scorcura von Erario
Dieser Wein ist deutlich anders als der Ad Hoc, aber dazu später mehr. Das Weinguts Erario hat sich auf Primitivo di Manduria spezialisiert die einen sehr hohem Alkoholgehalt haben. Diese Weine haben dann 16-18% Alkohol und sind in der Preisklasse über 25,-Euro angesiedelt. Erario ist eins der Weingüter, die wirklich im Zentrum von Manduria sitzen. Deren Portfolio an Primitivo di Manduria ist groß. Der Scorcura ist der Einstiegswein.
Der Scorcura ist der kleinste Primitivo di Manduria des Weinguts, deswegen im Vergleich zu Discounter Weinen die richtige Wahl. Im Primitivo di Manduria Test kann er durchaus mithalten, sowohl mit dem Preis als auch mit dem Geschmack. Der Wein hat stattliche 14% ist dunkelrot und hat das typische fruchtige Aroma eines Primitivos di Manduria, aber ist viel weniger lieblich als der Ad Hoc. Diesen Wein kann man getrost als trocken bezeichnen. Die Farbe ist rubinrot mit violetten Einstichen. Der Duft ist nach Kirschen und der Geschmack ist fruchtig, warm mit ausgewogenen Tanninen.
PavoNero – Primitivo di Manduria DOC von Aldi
Dies ist nun der dritte Wein in unserem Primitivo di Manduria Test. Es handelt sich um den Jahrgang 2020, ebenfalls einen DOC Wein mit 14,5% Alkohol und als halbtrocken gekennzeichnet. Das Weingut PavoNero kenne ich nicht und ich habe auch nicht viel über sie herausgefunden. Man sieht, dass sie Weine aus allen Regionen Italiens anbieten. Es sieht danach aus, dass sie Genossenschaftstrauben aufkaufen und dann verarbeiten, oder was sogar noch wahrscheinlicher ist, fertigen Wein aufkaufen und nur noch abfüllen.
Dieser Primitivo di Manduria ist zum Beispiel in der Toskana abgefüllt worden. Trotzdem kann ich nichts schlechtes an dem Wein finden, zumal Preis Leistung dann schon eine Überraschung sind. Niemand kann in Apulien einen Manduria Primitivo für 4,99 Euro anbieten. Die günstigsten Primitivo di Manduria fangen bei 8,00 Euro an – Seriöse gut gemachte Weine liegen dann zwischen 12 und 20 Euro. Aber der PavoNero war gut trinkbar, für mich süß aber nicht zu süß. Tannine und Säuren war gering aber vorhanden – rundum ein „ok“ Wein.
Im übrigen haben wir unsere Primitivo di Manduria auch zu einem Probierpaket zusammengefasst.
Empfohlene Produkte

Magno von Erario
Die Trauben des Magno wachsen and 40 jährigen Trauben und er reift 12 Monate in Edelstahltanks um danach noch 8 Monate in der Flasche nachzureifen. Er hat eine rubinrote Farbe mit violetten Reflektionen. Insgesamt ist er trocken, herb bis vollmundig.
Charisma von Erario
Der Charisma dagegen wächst an den selben Reben wie der Magno unterscheidet sich lediglich im Weinkeller. Hier reift der Wein erst 12 Monate im Stahlfass, dann 6 Monate im Eichenfass und danach nochmal 6 Monate in der Flasche. Die Farbe ist rubinrot mit orangen Reflektionen. Der Geschmack ist sehr ähnlich zu dem Magno mit etwas sanfteren Tanninen. Bei beiden Weinen ist der Charakter des Primitivo di Manduria klar erkennbar.

Erminio Campa im Primitivo di Manduria Test
Getestet wurden die Weine vom Weingut Erminio Campa. Dazu gehören eben auch zwei Primitivo di Manduria aus dem Jahr 2017. Es handelt sich um die Weine Li Cameli und Li Janni, die sich nur in ihrer Intensität unterscheiden. Beide Weine sind trocken, fruchtig und sind im Stahlfass gereift. (siehe Gruppenfoto oben)

Mandurino von Cerfeda im Primitivo di Manduria Test
Im Glas präsentiert sich der Mandurino in einem intensiven Rubinrot mit granatroten Reflexen. Das Bouquet ist geprägt von Aromen kleiner roter Beeren, Kirschen, getrockneten Feigen und Johannisbrot, untermalt von Noten von Schokolade, Vanille, weißem Pfeffer, Lakritz und Tabak. Am Gaumen zeigt er sich weich, warm und einhüllend, mit seidigen Tanninen, lebhafter Frische und einer bemerkenswerten Struktur. Die lebendige Säure verleiht dem Wein eine angenehme Frische und macht ihn zu einem vielseitigen Speisenbegleiter.
Don Filippo Riserva von Cerfeda
Hier haben wir es mit dem Top Primitivo Wein zu tun, der sich mit Sicherheit in die Spitzengruppe der Primitivo di Manduria einreihen kann. Inzwischen hat auch Erminio Campa einen Riserva im Portfolio, den wir aber noch nicht verkostet haben. Der Don Filippo Riserva von Tenute Cerfeda ist ein beeindruckender Primitivo di Manduria aus Apulien. Mit seiner tiefen, granatroten Farbe zieht er sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Im Bouquet entfalten sich intensive Aromen von Kirsche, Pflaume und Blutorange, begleitet von süßen Gewürznoten wie Zimt und Sternanis sowie einem Hauch von Kakao. Am Gaumen präsentiert sich der Wein bemerkenswert ausgewogen, mit einer weichen und runden Textur. Frische Nuancen verleihen ihm Lebendigkeit und Dynamik, während die sanften Tannine für ein angenehmes Mundgefühl sorgen. Insgesamt zeigt sich der Don Filippo Riserva als eleganter Primitivo mit einer dezenten Süße, der sowohl Kenner als auch Genießer begeistert.
| Wein | Weingut | Jahrgang | Alkohol | Kommentar |
|---|---|---|---|---|
| Magno | Erario | 2018 | 15% | fein, herb, zart nach Erdbeeren, solide |
| Charisma | Erario | 2018 | 15% | feine Tannine, weinig Holzgeschmack |
| Scorcura | Erario | 2018 | 14% | durchschnitt |
| Li Cameli | Erminio Campa | 2017 | 15% | eleganter Spitzen Primitivo |
| Li Janni | Erminio Campa | 2017 | 14% | trocken, elegant |
| Aldi PavoNero | PavoNero | 2020 | 14,5 | unauffällig – halbtrocken |
| Ad Hoc | Giustini | 2023 | 14 | Barrique – eher halbtrocken, elegant |
| Acinore | Giustini | 2022 | 15 | Edelprimitivo mit 9 Monaten im Barrique |
| Areale | Giustini | 2022 | 14,5 | Im Holz gereift – nicht zu süß |
| Mandurino | Cerfeda | 2019 | 16 | Bio, Vegan, Edel |
| Don Filippo Riserva | Cerfeda | 2013 | 16 | Bio, Vegan, Riserva, halbtrocken, edlst |
| Gvitae TorreSanta | TorreSanta von Netto | 2022 | 14 | ok – durchaus trinkbar |
| Maestro de Pigo | di Laterza von Lidl | 2023 | 14 | ok – akzeptabel |
| Licuriti | Trullo di Pezza | 2022 | 15 | Bio – gut gemacht, elegant |




