Beste Chianti Weine 2026

Hand aufs Herz: Habt ihr auch schon mal im Supermarkt zum Chianti gegriffen, nur weil das Etikett so schön nach Toskana aussah? Wir auch! Um herauszufinden, ob die Massenware mit den Schätzen unserer letzten Italien-Verkostung mithalten kann, haben wir den direkten Vergleich gewagt. Es war ein hartes Stück Arbeit (jemand musste den Wein ja trinken!), aber das Ergebnis ist eindeutig. In unserem Chianti-Check klären wir die Frage: Schmeckt man den Preisunterschied wirklich – oder zahlt man manchmal nur für das Image.

Einen ähnlichen Beitrag haben wir für Chianti Classico gestartet und bewerten Chianti Classico Weine von verschedenen Herstellern.


Chianti Tenuta di Sticciano
Chianti Tenuta di Sticciano

Chianti Superiore 2023 – Tenuta di Sticciano

Die Tenuta di Sticciano liegt eingebettet in die sanfte Hügellandschaft von Certaldo, unweit von Florenz, und blickt auf eine Geschichte zurück, die bis ins 17. Jahrhundert reicht. Das alte Familienwappen der Familie ist noch in einem der alten Weinkeller zu bewundern. Ich hatte im März 2026 eine ausführliche Führung durch das Weingut bekommen. Das Weingut umfasst eine beeindruckende Fläche von rund 130 Hektar, wovon ein Großteil für den Weinbau und die Olivenölproduktion genutzt wird. Ein kleiner Teil der Trauben wird in eigene Flaschen abgefüllt. Ein zentraler Aspekt der Philosophie des Hauses ist der konsequente Fokus auf Nachhaltigkeit und den ökologischen Landbau. Man ist Bio zertifiziert. Die toskanischen Weinberge werden nach biologischen Richtlinien bewirtschaftet.

Neben der Weinproduktion fungiert das prächtige Anwesen mit seiner historischen Villa als Agriturismo, der Gästen die Lebensart der Region näherbringt. Hier kann man Hochzeiten feiern, Übernachten und in einem Restaurant auch gut traditionell essen. Als ich dort war hatte das Agriturismo und Restaurant noch nicht geöffnet, so dass ich dies nicht ausprobieren konnte.

Der Chianti Superiore 2023 der Tenuta di Sticciano zeigt sich im Glas in einem klaren und leuchtenden Rubinrot von mittlerer Dichte. In der Nase entfaltet sich ein sortentypisches Bouquet, das vor allem von frischen roten Kirschen und Waldbeeren geprägt ist, dezent untermalt von Nuancen getrockneter Kräuter und einem Hauch von Veilchen. Am Gaumen präsentiert sich der Wein geradlinig und gut strukturiert mit einem mittleren Körper sowie einer lebendigen Säure, die ihm eine angenehme Frische verleiht. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Wein sehr zum positiven. Sogar am nächsten Tag, schmeckte mir der Wein besser als während der eigentlichen Verkostung.

Die Tannine sind spürbar, aber feinmaschig eingearbeitet und stützen die saftige Fruchtaromatik von Sauerkirsche und roter Johannisbeere. Eine dezente erdige Mineralität rundet das Geschmacksbild ab und führt in einen sauberen, mittellangen Abgang. Insgesamt ist dieser Wein ein ehrlicher Vertreter seiner Appellation, der weniger auf Opulenz und mehr auf Trinkfluss und eine klare Sangiovese-Identität setzt.

Chianti Riserva 2021 – Villa di Sticciano – Tenuta di Sticciano

Die Chianti Riserva 2021 der Villa di Sticciano präsentiert sich in einem tiefen, konzentrierten Granatrot, das bereits optisch auf die längere Reifung hindeutet. In der Nase zeigt sich ein komplexes und reifes Profil, bei dem die Primärfrucht von dunklen Kirschen und Brombeeren durch feine Noten von Leder, Tabak und einer dezenten Röstaromatik ergänzt wird. Am Gaumen offenbart die Riserva eine kraftvolle Struktur und einen vollen Körper, der durch eine gut stützende Säure ausbalanciert wird. Die Tannine sind hier deutlich präsenter und kräftiger als beim Superiore, wirken jedoch durch den Ausbau im Holz gut gereift und samtig. Neben der dunklen Beerenfrucht treten würzige Nuancen von Unterholz und ein Hauch von dunkler Schokolade hervor, die dem Wein eine bemerkenswerte Tiefe verleihen. Das Finale ist langanhaltend und harmonisch, wobei die Balance zwischen Kraft und der für das Weingut typischen Frische bis zum Schluss bestehen bleibt.

Chianti von Lucciano

Der nächste Wein im Chianti Classico Test ist der Chianti Lucciano aus dem Jahr 2018. Das Weingut liegt eigentlich in der Nähe von San Casciano, was viel bekannter ist und wo wir auch andere Weingüter besuchen wollten. Auf der Suche nach einer Unterkunft fanden wir den Bauernhof von Familie Lucciano und buchten dort ein Zimmer. Durch Zufall entdeckten wir den Weinbetrieb dort und bekamen eine Führung und natürlich Wein zum Probieren.


Lucciano Chianti
Lucciano Chianti

Der Chianti Lucciano 2018 präsentiert sich in einem bereits deutlich fortgeschrittenen Ziegelrot. Das signalisiert unmissverständlich, dass dieser Wein seinen Zenit erreicht hat. In der Nase dominieren eher tertiäre Noten von trockenem Laub, Leder und Liebstöckel. Die einst frische Kirschfrucht ist mittlerweile fast vollständig in den Hintergrund getreten und erinnert nur noch an getrocknete Schalen. Am Gaumen zeigt sich die Struktur eher hager. Die für den Sangiovese typische Säure steht nun etwas isoliert im Raum, da der Körper nicht mehr genügend Substanz bietet. Die Tannine sind zwar mürbe und kaum noch spürbar, hinterlassen im Finish jedoch eine leicht herbe, fast zehrende Trockenheit. Insgesamt wirkt der Wein etwas müde und verliert zum Ende hin spürbar an Spannung. Dies macht ihn zu einem soliden, aber wenig dynamischen Vertreter.