Bester Brunello – Brunellos im Test

Der Brunello Test

In diesem Beitrag fassen wir unsere Verkostungen von Brunello Weine der letzten zwei Jahre zusammen zu einem Artikel. Auch haben wir immer wieder Diskounter Brunellos von Lidl, Aldi und Co. mit unseren Winzerweinen verglichen. Als Weinhändler, könnte man meinen, ist man nicht objektiv, doch wir haben wirklich versucht gerecht zu urteilen. Und in der Tat haben wir mitunter Diskounter Weine entdeckt, die man gut trinken konnte.

Eine Einführung

Der Brunello wird zu 100% aus Sangiovese Trauben gewonnen. Er erfährt eine sehr traditionelle Behandlung. Die meisten der Weine stellt man organisch her – viele sind aber noch nicht komplett zertifiziert, was immer etwas dauert. Aber die Winzer in Montalcino sind sehr traditionsbewusst und halten sich strikt an die festgelegten Methoden. Ein Thema betraf vor einigen Jahren das Zusetzten von anderen Rebsorten wie Merlot oder Cabernet, um den Wein etwas leichter trinkbar zu machen. Mit solchen Mitteln kann man auch Laien schnell an den Wein heranführen – er wird dadurch sehr viel „süffiger“. Aber die Winzer in Montalcino haben sich klar dagegen ausgesprochen und so bleibt 100% Sangiovese in der Flasche.



Selezione

Bei Brunello-Weinen (und auch bei anderen Weinsorten) kann der Begriff „Selezione“ verwendet werden, um eine besonders hochwertige oder sorgfältig ausgewählte Charge von Wein zu kennzeichnen. Es impliziert, dass der Wein von besonders hoher Qualität ist und möglicherweise aus den besten Trauben eines Jahrgangs oder aus besonders geeigneten Teilen des Weinbergs hergestellt wurde. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Bezeichnung „Selezione“ nicht offiziell in den DOCG-Regelungen (Denominazione di Origine Controllata e Garantita) für Brunello di Montalcino festgelegt ist.

Riserva

„Riserva“ ist eine offizielle Bezeichnung in der italienischen Weingesetzgebung, die auf besondere Qualitätsweine hinweist. Für viele italienische Weine, einschließlich Brunello di Montalcino, bedeutet „Riserva“, dass der Wein länger gereift ist als die Standardversion.

Spezifisch für Brunello di Montalcino, das eine Denominazione di Origine Controllata e Garantita (DOCG) ist, bedeuten die Regelungen:

  • Ein Brunello di Montalcino muss mindestens 4 Jahre (darunter mindestens 2 Jahre in Holzfässern) reifen, bevor er verkauft werden kann.
  • Ein Brunello di Montalcino Riserva muss mindestens 5 Jahre reifen, wobei ebenfalls ein Minimum von 2 Jahren in Holzfässern erforderlich ist.

Der Brunello Vergleich

In meinem Brunello Test habe ich von allen Weinen den Jahrgang 2015 gewählt, da dies der letzte Jahrgang ist, der gerade im Verkauf angeboten wurde. Alle Flaschen habe ich mindestens 1h vorher geöffnet. Es sind fünf Weingüter betrachtet worden: „Terre Nere“, Villa i Cipressi“ ,“Armilla“ , „Fagnani“ und das Weingut „Ventolaio“.

Dabei waren auch unterschiedliche Qualitätsstufen der Brunellos. Der einfache Brunello di Montalcino, der Selezione und der Riserva.

Alle Weine haben eine Eleganz, die ich bei wenigen Weine je erlebt habe. Perfekt gemacht, ein runder Geschmack und ein langer Abgang. Mein persönlicher Vergleich zu einem Barolo fällt ganz klar für den Brunello di Montalcino aus – er macht viel mehr Spaß zu trinken. Mit jedem Schluck spürt man die Klasse und die Perfektion. Während ich zwischen den Weinen von „Terre Nere“ und „Villa i Cipressi“ nur eine kleinen Unterschied schmecken konnte, war der Säureanteil bei dem Brunello von „Ventolaio“ und „Fagnani“ deutlich höher. Dies änderte sich auch nicht, als ich am nächsten Tag den Wein nochmals im Vergleich probierte. Deutlich hervorgestochen ist die Designer-Edition von „Villa i Cipressi“ mit dem Namen Zebra. Das Etikett wurde extra von Designer-Freunden entworfen und passt so gar nicht in die sonst so konservative Brunello Welt. Aber das Etikett spricht eben auch junge Kunden an und der Wein ist eben auch etwas Besonderes.

Ergänzung: Neben den oben beschriebenen Weinen haben wir noch weitere Brunellos probiert. Hier sei zunächst der von Armilla erwähnt, der sich wunderbar in die Gruppe der Weine von „Villa i Cipressi“ und Terre Nere einreiht. Der Geschmack des Armilla Brunello ist nach Aromen von Kirschen, Waldbeeren und Pflaumen. Die Tannine sind elegant ausgewogen und der Abgang lang anhaltend. Der Säuregehalt ist gut und klar schmeckbar, aber nicht zu dominant. Deswegen hatten wir uns auch entschlossen den Armilla ins Portfolio aufzunehmen.


Beste Brunello
Brunello die Montalcino Verkostung

Die Weine von Fagnani und Ventolaio

Anders die Weine vom Weingut Fagnani sowie Ventolaio. Diese haben eine deutlich höheren Säureanteil, der durchaus schmeckbar ist. Die Sangiovese Freunde unter Ihnen lieben das unter Umständen. Ich bin ein Freund von runden, weicheren Weinen ohne zu viele herbe Ecken und Kanten. Allerdings muss ich sagen, dass der unten abgebildete Ventolaio Riserva 2012, sehr schön gereift war und die Ecken und Kanten verloren hat. Er kam schon sehr dicht an meinen perfekten Brunello ran. Trotzdem habe ich Ihn nicht in den Shop aufgenommen. Auch spielt der Preis eine Rolle, da die Riservas noch einmal deutlich teurer sind.


Zwei Brunello Weine im Test
Verkostung von Brunello di Montalcino

Somit sind es am Ende 7 Brunellos getestet worden und nicht wie am Anfang gedacht nur vier.


NameWeingutKommentar
Brunello di MontalcinoVilla i CipressiBio, roten Früchten, Vanille
Brunello di MontalcinoArmillaKirschen, Waldbeeren und Pflaumen
Brunello di MontalcinoTerre Nerereife Früchte mit Noten von Minze und Tabak.
ZebrasVilla i CipressiSelezione, Noten von Tabak und Vanille, Holz
Brunello di MontalcinoFagnaniKlare Säure, Beeren
Brunello di MontalcinoVentolaioSäurebetont, Rote Waldfrüchte
Brunello di Montalcino RiservaVentolaioRiserva 2012; Elegant, Komplex, Edel, Rote Früchte, Holz
Brunello di Montalcino LidlBanfi säurehaltig, ausgewogene Tannine
Brunello di MontalcinoPicciniJahrgang 2018; Lakritze und Kirsche, weiche Tannine
Die vier Brunello Weine bei Weinistgeil

Als nächstes haben wir einen Discounter Brunello für ca. 14,- Euro gegen den Brunello di Montalcino von „Villa i Cipressi“ verkostet haben. Dieser Vergleich war wirklich einer der interessantestes Experimente, die wir bisher gemacht hatten. Wir befinden uns hier in der absoluten Königsklasse der italienischen Weine. Wahrscheinlich gehören die Brunellos ja sogar zu den besten Weinen der Welt.

Um es vorweg zu nehmen, beide Weine können sich sehen lassen. Für den Preis, den der Lidl Wein zu haben ist, wird dem Weintrinker auch etwas geboten. Ich kann wirklich nicht sagen, dass der Discounter Wein schlecht war – auf gar keinen Fall. Aber mehr dazu später …


Beste Brunello Weine

Es geht in diesem Test um Brunello di Montalcino DOCG. Dies sind neben den Barolos die wohl berühmtesten und besten Weine Italiens. Man gewinnt sie zu 100% aus Sangiovese Trauben. Hier merkt man dann auch welcher Winzer sein Handwerk versteht. Man schafft es durch die Prozesse die scharfen Kanten des Sangiovese abzurunden. Manche Weingüter machen es mehr andere weniger. Geschmäcker sind eben auch unterschiedlich. Es gibt viele Weinliebhaber, die den hohen Säureanteil im Sangiovese lieben.

Der Lidl Brunello

Zurück zu den Kandidaten. Der Discounter Wein ist ein Wein aus dem Jahr 2014 vom Weingut Placido in Montalcino. Es handelt sich also schon um Weinbauern aus dem Gebiet, was gut ist. Häufig wird der Wein von Discountern aus Trauben verschiedenster Weinbauern zusammengemischt. Placido gehört zum Banfi Konzern. Dem amerikanischen Unternehmen gehören sehr viele Weingüter weltweit. Banfi Weine findet man überall in jedem Supermarkt, aber man findet auch gute Weine von Banfi. Aber genau um eben auch andere Weine außerhalb dieses Mainstreams zu finden, habe ich Weinistgeil gegründet. Hier bieten wir kleinen Winzern aus Italien eine Plattform, Ihre Weine in Deutschland zu verkaufen.


Bester Brunello
Zwei Brunellos im direkten Vergleich

Der Wein hat bei Lidl ca. 15,- Euro gekostet. Also für einen Discounter Wein ist das schon ganz schön viel, für einen Brunello ganz schön wenig. Also ich war gespannt. Im Glas hat er eine typische Farbe, kaum ein Unterschied zu dem Wein von Weinistgeil. Der Duft war voll, kräftig und auch hier konnte ich kaum Unterschiede feststellen. Der Unterschied war dann im Geschmack klar. Im direkten Vergleich war der Wein säurehaltig, hatte ausgewogene Tannine, die aber klar erkennbar waren. Ein sehr trockener Rotwein, der sich aber für den Preis sehen lassen kann.

Der „Villa i Cipressi

Der andere Kandidat hat deutlich mehr zu bieten, kostet aber auch mehr als das Doppelte. Es handelt sich um den Brunello di Montalcino vom Weingut Villa i Cipressi aus dem Jahr 2015.


Prämiert von James Suckling
Ausgezeichnet von James Suckling

Der Wein schmeckt deutlich runder, edler mit vollem Körper. Auch sind die Nuancen von roten Früchten, Pflaumen klar zu er-schmecken. Die Tannine sind milder, ausgewogener und der Wein hat deutlich weniger Säure als der Discounter Wein. Gerade in diesem direkten Vergleich wurde mir die Qualität und Güte dieses Brunellos noch einmal deutlich. Bisher hatte ich Ihn immer im Vergleich zu anderen teuren Brunellos gekostet, aber nur so schmeckt man den Unterschied und erkennt das wahre potential.

Fazit

Zwar schneidet der Discounter Wein für mich deutlich schlechter ab, kann sich aber sehen lassen. Hier punktet der Lidl Wein mit den unschlagbaren Preis/Leistungsverhältnis. Trotzdem ist der Brunello von Villa i Cipressi ein wahres Erlebnis und ein König unter den Weinen.

Übrigens sind die Weine ab Jahrgang 2016 dann Bio-zertifiziert und bereits in unserem Shop zu haben. Wir hatten bereits in einem vergangenen Beitrag vier Brunellos miteinander verglichen. Dabei handelte es sich um hochwertigste Winzerweine.

Brunello Piccini aus dem Supermarkt

Auf dem Weg zurück aus Italien in einem „Autogrill“ stch mir ein Angebot eines Brunello di Montalcino von Piccini ins Auge. Der Preis betrug als vermeintliches Sonderangebot 18,- Euro. Ein guter Grund den Wein zu Verkosten und mit unseren Brunello s zu vergleichen. Zurück in Deutschland, beim Rundgang durch den lokalen EDEKA gab es den gleiche Brunello, gleicher Jahrgang dann für 17,- Euro.

Wer ist Piccini

Piccini ist ein renommierter Weinhersteller aus Italien, der hauptsächlich in der Toskana, einer der bekanntesten Weinregionen Italiens, tätig ist. Hier sind einige grundlegende Informationen über Piccini:

Das Unternehmen, zu dem viele weitere Weingüter mit anderen Namen gehört, produziert 16 Mio. Flaschen Wein pro Jahr. Der Hauptsitz von Piccini befindet sich in der Toskana, genauer gesagt in Castellina in Chianti. Die Weine sind fast ausschließlich aus der Toskana stammend. Man hat sich auf Chianti konzentriert, bietet aber auch andere Weine auf Sangiovese Basis an.

Piccini wurde 1882 gegründet von Angiolo Piccini. Das Unternehmen hat also eine lange Geschichte in der Weinherstellung in Italien und kann auf eine Tradition von über einem Jahrhundert zurückblicken. Im Jahr 2002 hat Piccini seine Marke neu ausgerichtet und unter anderem das inzwischen sehr bekannte Etikett seines Chiantis in orange eingeführt.

Die Piccini-Familie ist im Besitz des Unternehmens. Es handelt sich also um ein familiengeführtes Weingut, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Heute wird das Unternehmen von Mario Piccini geleitet, der von seinen Schwestern Martina und Elisa und deren Kindern Ginevra, Benedetta und Michelangelo unterstützt wird, die sich persönlich in die Aktivitäten des Unternehmens einbringen.


Brunello Test
Brunello di Montalcino im Test

Der Wein

Der Brunello von Piccini hat eine rote Farbe mit Tendenz zu Granat. Der Wein ist eher unspektakulär ohne großen Ecken und Kanten rund mit Noten von Lakritze und Kirsche. Am Gaumen voll, würzig, mit sehr weichen Tanninen und einem mittleren Abgang.

Der Wein bleibt 2 Jahre in Eichenfässern und ruht weitere 6 Monate in Flaschen. Vor der Abfüllung wird der Wein bis zur Vermarktung gelagert, die frühestens 5 Jahre nach der Ernte erfolgt. Er reift 20 Monate in Eichenfässern, 4 Monate in Barriques und 6 Monate in der Flasche. Insgesamt ein gefälliger Wein, den ich als schlecht empfand und leicht zu trinken war. Im direkten Vergleich zu den Weinen von Villa I Cipressi oder Armilla fehlen dem Piccini Brunello die Struktur und die Geschmacknuancen kamen nicht so deutlich zum Vorschein. Schaut man auf den Preis, ist er allerdings ein akzeptabler Einstieg in die Brunello Welt.