Cerasuolo di Vittoria – was ist das denn eigentlich ?

Cerasuolo di Vittoria DOCG ist ein sizilianischer Rotwein aus den Provinzen Ragusa, Caltanissetta und Catania und seit 2005 der einzige Wein Siziliens mit der höchsten italienischen Qualitätsstufe DOCG. Er wird aus einer Cuvée von Nero d’Avola und Frappato hergestellt, benannt nach seiner kirschroten Farbe.

In Sizilien wird mehr Wein angebaut als in jeder anderen Region Italiens, nimmt man die Anbaufläche als Maßstab. Trotzdem gibt es dort nur einen einzigen DOCG Wein, nämlich den Cerasuolo di Vittoria. Woran liegt das ? Sind die sizilianischen Winzer zu weit Weg von den Zentren der Macht in Italien? Liegt es daran, dass der Weinbau noch nicht so professionell betrieben wird, wie in anderen Regionen Italiens ? Sind die Weine nicht fein genug ? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht und dieses Problem sollte man in einem anderen Beitrag genauer untersuchen.

Warum Sizilien nur einen DOCG-Wein hat

Das ist auf den ersten Blick erstaunlich: Sizilien ist die größte Weinbauregion Italiens, produziert international hochangesehene Weine vom Ätna bis Marsala — und trotzdem trägt nur Cerasuolo di Vittoria das höchste Gütesiegel DOCG. Selbst der Ätna, der weltweit für Furore sorgt, bleibt bei DOC. Die Erklärung liegt in mehreren ineinandergreifenden Faktoren.

Strukturelle Fragmentierung statt fehlender Qualität

Sizilien ist in sich selbst zu divers, um eine einheitliche Weinidentität zu bilden. Topographisch, geologisch und klimatisch unterscheiden sich der vulkanische Ätna im Nordosten, der heiße Süden, der atlantisch geprägte Westen und das Marsala-Gebiet so stark, dass sich kaum ein gemeinsames Konsortium mit ausreichend politischem Gewicht für eine kollektive DOCG-Anhebung bilden lässt. Während sich das Piemont über Jahrzehnte auf einzelne, eng abgegrenzte Gebiete wie Barolo konzentrieren konnte, verteilt sich Siziliens Potenzial auf mindestens vier völlig unterschiedliche Weinwelten.

Eine sehr späte Qualitätswende

Sizilien war über Jahrhunderte vor allem Massenproduzent und Kornkammer, bekannt für aufgespriteten Marsala und einfache Verschnittweine. Die heute gefeierte Qualitätsrevolution – Fokus auf autochthone Sorten wie Nero d’Avola, biologische und biodynamische Bewirtschaftung, Einzellagenweine am Ätna – ist historisch jung und begann größtenteils erst ab den 1990er- und 2000er-Jahren. DOCG-Anträge setzen aber eine über Jahrzehnte nachgewiesene, konstante Reputation voraus. Diese institutionelle Reife hatte Sizilien als moderne Qualitätsregion schlicht noch nicht erreicht.

Cerasuolo di Vittoria als historischer Sonderfall

Cerasuolo di Vittoria war schon 1973 die erste DOC-Appellation der Provinz Ragusa – ein enormer zeitlicher Vorsprung gegenüber vielen anderen sizilianischen Gebieten. Diese lange institutionelle Reife, kombiniert mit dem unverwechselbaren Cuvée-Profil aus kraftvollem Nero d’Avola und elegantem Frappato, machte ihn zum logischen ersten Kandidaten, als 2005 die Zeit für eine Anhebung reif war.

Der Ätna als Gegenbeispiel

Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet der Ätna – die Region mit der größten internationalen Strahlkraft – keine DOCG trägt. Die dortige Winzergeneration ist erst seit rund zwei Jahrzehnten aktiv und positioniert sich heute eher über individuelle Einzellagen-Namen (Contrade) als über eine kollektive Statuserhöhung. Internationale Anerkennung und formaler DOCG-Status entwickeln sich also unabhängig voneinander.

Fehlender politischer Konsolidierungswille

Mit 23 unabhängigen DOC-Gebieten und unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen ist die für eine DOCG nötige Einigung auf strengere Regularien – niedrigere Erträge, verpflichtende Verkostungen – politisch deutlich schwerer zu organisieren als in kleineren, homogeneren Regionen. Viele Betriebe profitieren ohnehin bereits vom Markennamen ihres Weinguts und sehen wenig Anreiz, sich zusätzlichen bürokratischen Auflagen zu unterwerfen.

Cerasuolo di Vittoria

Ich jedenfalls wollte diesen einen DOCG Wein einmal selbst probieren. Obwohl ich mich inzwischen seit 20 Jahren mit Wein beschäftige, hatte ich bisher noch nicht die Gelegenheit den Wein zu verkosten. Aber ich hatte bisher auch nie aktiv danach gesucht. In Deutschland findet man ihn auch extrem selten. Hierzulande kennt man den Nero d’Avola aus Sizilien und wer sich ein wenig auskennt hat schon mal vom Etna Rosso gehört. Aber wer kennt schon den Cerasuolo di Vittoria ?

Der Cerasuolo di Vittoria ist ein Cuvee Wein, besteht also aus verschiedenen Traubensorten. In diesem Fall aus Nero d’Avola und Frappato. Das Anbaugebiet dieses Weins ist stark reglementiert und auf genau drei Zonen im Süden Siziliens beschränkt: Ragusa, Catania und Caltanissetta. Übrigens hat der Wein den Namen von der Gemeinde Vittoria in der Nähe von Ragusa erhalten. Frappato ist eine Rebsorte, die man ausschließlich in Sizilien vorfindet. Selten findet man reinsortigen Frappato Wein, da er meist verschnitten zum Einsatz kommt.

Der Wein, den ich verkostet hatte war von Planeta, also einer Instanz in Sizilien, aus dem Jahr 2020. Vielleicht etwas zu jung, da diese Weine mal locker 20 Jahre gelagert werden könnten. Der Alkoholgehalt beträgt 12,5%.


Cerasuolo di Vittoria
Cerasuolo di Vittoria DOCG aus Sizilien

Geschmack von Cerasuolo di Vittoria

Die Farbe ist kirschrot der Duft fruchtig. Beim Geschmack fing dann die Enttäuschung an, jedenfalls für mich. Eventuell war meine Erwartungshaltung zu hoch. Ich öffnete den Wein und schon beim ersten Probieren, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. Also atmen lassen, der Wein brauchte bestimmt noch mehr Sauerstoff. Dann nach 30min wieder probiert. Keine Änderung – ist ja auch noch ein junger Wein. Der muss gar nicht so viel atmen. Nach 2 Stunden weiter getrunken. Keine große Änderung. Der Wein blieb ein dünnes Süppchen.

Wenig Tannine, etwas zu viel Säure und wenig Restzucker, also sehr trocken. Sicherlich ist das eine sehr subjektive Wahrnehmung und bestimmt gibt es Cerasuolo di Vittoria Weine, die besser sind, aber mein Geschmack ist das nicht. Die Tatsache, dass die älteren Jahrgänge des Planeta Cerasuolo di Vittoria auch mehr als 90 Punkte von einigen Weinexperten bekommen haben, zeigt, das es kein schlechter Wein ist, aber eben nicht mein Wein.


Häufige Fragen zu Cerasuolo di Vittoria DOCG

Warum ist Cerasuolo di Vittoria der einzige DOCG-Wein Siziliens?

Cerasuolo di Vittoria war bereits 1973 die erste DOC-Appellation der Provinz Ragusa und hatte dadurch einen jahrzehntelangen Reifevorsprung. Andere sizilianische Spitzenregionen wie der Ätna entwickelten ihre heutige Qualitätsreputation erst ab den 2000er-Jahren und sind formal noch nicht hochgestuft.

Aus welchen Rebsorten besteht Cerasuolo di Vittoria?

Die Cuvée besteht aus mindestens 50 % Nero d’Avola und 30–50 % Frappato. Nero d’Avola liefert Körper und Tannin, Frappato bringt fruchtige Frische und florale Eleganz in den Wein.

Woher kommt der Name „Cerasuolo“?

Cerasuolo leitet sich vom italienischen Wort für Kirsche (ciliegia) ab und beschreibt die charakteristische kirschrote Farbe des jungen Weins, die sich mit zunehmender Reife zu dunkleren Tönen entwickelt.

Wie lange ist Cerasuolo di Vittoria lagerfähig?

Trotz seines fruchtigen, zugänglichen Charakters in der Jugend besitzt der Wein ein beachtliches Reifepotenzial. Gut strukturierte Jahrgänge können 30 Jahre und länger gelagert werden, wobei sich Aromen von Pflaume, Schokolade und Tabak entwickeln.

Was unterscheidet Cerasuolo di Vittoria Classico vom Basiswein?

Die Classico-Bezeichnung ist an ein engeres, historisches Kerngebiet gebunden und unterliegt strengeren Reifevorgaben: Der Wein darf erst ab dem 31. März des zweiten Jahres nach der Ernte verkauft werden, der Basiswein bereits ab dem 1. Juni des Folgejahres.

Zu welchen Speisen passt Cerasuolo di Vittoria?

Der Wein harmoniert gut mit der sizilianischen Küche, etwa mit gegrilltem Fenchel, Ragusano-Käse oder herzhaften Pastagerichten. Seine lebendige Säure und das moderate Tannin machen ihn zu einem vielseitigen Essensbegleiter.



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