Vino Nobile di Montepulciano: der edle Sangiovese aus der Toskana
Neben Brunello und Chianti Classico zählt der Vino Nobile di Montepulciano zu den drei großen Sangiovese-Weinen der Toskana. Hier erfahren Sie, woher er kommt, wie er schmeckt, welche Regeln für ihn gelten und warum er nichts mit der Rebsorte Montepulciano zu tun hat.
Was ist Vino Nobile di Montepulciano?
Vino Nobile di Montepulciano ist ein Rotwein mit dem höchsten italienischen Qualitätssiegel DOCG. Er stammt aus den Weinbergen rund um das Städtchen Montepulciano im Süden der Provinz Siena. Die Hauptrolle spielt Sangiovese, den die Winzer vor Ort traditionell Prugnolo Gentile nennen. Mindestens 70 Prozent des Weins müssen aus dieser Traube stammen. Den Rest dürfen die Erzeuger mit anderen roten Sorten ergänzen, klassisch mit den einheimischen Sorten Canaiolo Nero, Mammolo, Colorino oder Ciliegiolo.
Wer Wein aus der Toskana kennt, ordnet den Nobile schnell ein: Er steht stilistisch zwischen dem frischen Chianti und dem kraftvollen Brunello di Montalcino. Mehr zur Traube selbst lesen Sie in unserem Porträt der Rebsorte Sangiovese.
Vino Nobile di Montepulciano im Video
Kommen Sie mit nach Montepulciano: In anderthalb Minuten zeigen wir Ihnen die Stadt und die Landschaft, in der der Vino Nobile wächst.
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Geschichte: Warum heißt der Wein „Nobile“?
In Montepulciano wächst seit mehr als 1.200 Jahren Wein. Eine Urkunde aus dem Jahr 789 beschreibt, wie der Kleriker Arnipert einer Kirche Land und einen Weinberg im Castello di Policiano schenkte. Im Mittelalter regelten die Stadtväter sogar Handel und Ausfuhr des Weins.
Berühmt machte ihn der Dichter und Arzt Francesco Redi. In seinem Werk „Bacco in Toscana“ von 1685 schwärmte er: „Montepulciano d’ogni vino è il re“ – Montepulciano ist der König aller Weine. Den Beinamen „Nobile“ trägt der Wein vermutlich, weil ihn lange Zeit vor allem adlige Familien anbauten und ausschenkten. Bis in die 1930er-Jahre lief er offiziell noch unter dem Namen „Vino rosso scelto di Montepulciano“.
1965 gründeten die Winzer ihr Schutzkonsortium, ein Jahr später erhielt der Wein den DOC-Status. 1980 folgte die DOCG – und der Vino Nobile trug als erster Wein Italiens die DOCG-Banderole am Flaschenhals. Heute gehört das Gebiet zu den Vorreitern der Nachhaltigkeit: Als erste Herkunftsbezeichnung Italiens erhielt der Vino Nobile 2022 die Zertifizierung nach dem Standard Equalitas.
Anbaugebiet und Böden
Montepulciano thront auf einem Hügelkamm zwischen dem Val di Chiana und dem Val d’Orcia, nicht weit von der Grenze zu Umbrien. Ähnlich wie in Montalcino liegen die Weingüter rund um die Stadt verteilt. Die Reben wachsen auf 250 bis 600 Metern Höhe. Warme Tage und kühle Nächte lassen die Trauben langsam reifen und erhalten ihre Frische.
Die Böden bestehen überwiegend aus Sand und sandigem Lehm, durchsetzt mit Kieseln und Fossilien aus dem Pliozän, als hier noch ein Meer lag. Insgesamt bewirtschaften die Winzer rund 2.000 Hektar Reben, davon etwa 1.200 Hektar für Vino Nobile und rund 390 Hektar für den Rosso di Montepulciano. 2024 brachten die Erzeuger rund 6,7 Millionen Flaschen Vino Nobile auf den Markt. Knapp zwei Drittel davon gehen in den Export, Deutschland gehört zu den wichtigsten Abnehmern.


Einen Überblick über alle Weinregionen Italiens finden Sie in unserem Lexikon der Weinanbaugebiete.
Die Regeln: Rosso, Nobile, Riserva und Pieve
Die Winzer in Montepulciano keltern ihren Sangiovese in mehreren Stufen. Jede Stufe folgt eigenen Vorgaben zu Traubenanteil, Reifezeit und Herkunft:
| Stufe | Sangiovese | Reife bis zum Verkauf | Charakter |
|---|---|---|---|
| Rosso di Montepulciano DOC | min. 70 % | kurz, kommt jung in den Handel | fruchtiger Einstieg, für jeden Tag |
| Vino Nobile di Montepulciano DOCG | min. 70 % | mind. 2 Jahre ab 1. Januar nach der Lese | elegant, ausgewogen, lagerfähig |
| Vino Nobile Riserva DOCG | min. 70 % | mind. 3 Jahre, davon 6 Monate in der Flasche | aus den besten Jahrgängen, tiefgründig |
| Vino Nobile Pieve DOCG | min. 85 % | mind. 3 Jahre, davon 12 Monate Holz und 12 Monate Flasche | Lagenwein aus einer der zwölf Pievi |
Neu seit 2025: die Pieve als Spitzenstufe
Seit Januar 2025 steht eine neue Stufe über der Riserva: der Vino Nobile di Montepulciano Pieve. Das Konsortium hat das Anbaugebiet dafür in zwölf Unterzonen eingeteilt und nach den historischen Landkirchen (Pievi) benannt. Ein Pieve-Wein enthält mindestens 85 Prozent Sangiovese, den Rest dürfen nur die einheimischen Sorten Canaiolo Nero, Ciliegiolo, Colorino und Mammolo liefern. Die Trauben müssen aus eigenen Weinbergen stammen, die mindestens 15 Jahre alt sind. Den Anfang machte der Jahrgang 2021.
- Ascianello
- Badia
- Caggiole
- Cerliana
- Cervognano
- Gracciano
- Le Grazie
- San Biagio
- Sant’Albino
- Sant’Ilario
- Valardegna
- Valiano
Rosso di Montepulciano: der kleine Bruder
Viele Erzeuger keltern neben dem Nobile auch einen Rosso di Montepulciano. Er stammt aus demselben Gebiet, kommt aber deutlich jünger in den Handel und kostet weniger. Den Rosso trinken Sie unter der Woche, den Vino Nobile holen Sie am Sonntag aus dem Keller.
Wie schmeckt Vino Nobile di Montepulciano?
Ein Vino Nobile leuchtet rubinrot und nimmt mit den Jahren einen granatroten Schimmer an. In der Nase zeigt er reife Kirsche, Pflaume und Veilchen, dazu Noten von Tabak, Leder und feinen Gewürzen, je nach Ausbau auch etwas Vanille aus dem Holzfass. Am Gaumen wirkt er weicher und runder als viele Chianti oder Brunello, denn die Beisorten wie Canaiolo und Mammolo mildern die Säure des Sangiovese. Die Tannine bleiben dabei präsent, aber geschliffen.
Einige Chianti-Winzer setzen heute bewusst auf „Sangiovese in purezza“ und bringen sehr säurebetonte, kantige Weine auf den Markt. Wer es etwas runder mag und trotzdem auf Struktur nicht verzichten möchte, findet im Vino Nobile oft genau das Richtige.
Serviertipps
- Temperatur: 16 bis 18 °C
- Dekantieren: junge Weine und Riserve eine Stunde vor dem Essen öffnen oder in die Karaffe geben
- Glas: ein bauchiges Rotweinglas, damit sich die Aromen entfalten
- Lagerung: ein guter Vino Nobile hält oft zehn Jahre und länger, eine Riserva noch deutlich mehr
Passende Speisen
Der Vino Nobile begleitet die herzhafte Küche der Toskana: Pici, die handgerollten dicken Nudeln der Gegend, mit Ragù vom Wildschwein, ein Bistecca alla Fiorentina, Lammbraten oder geschmorte Ochsenbacke. Auch gereifter Pecorino aus dem nahen Pienza passt hervorragend.
Vino Nobile, Brunello, Chianti Classico und Montepulciano d’Abruzzo im Vergleich
Drei der berühmtesten Rotweine der Toskana basieren auf Sangiovese, und doch schmecken sie deutlich verschieden. Der größte Unterschied zum Brunello: Der Brunello di Montalcino besteht zu 100 Prozent aus Sangiovese, der Vino Nobile darf andere Sorten enthalten. Das macht ihn zugänglicher und oft früher trinkreif.
| Wein | Region | Rebsorte | Stil |
|---|---|---|---|
| Vino Nobile di Montepulciano | Toskana, Montepulciano | mind. 70 % Sangiovese | elegant, rund, ausgewogene Tannine |
| Brunello di Montalcino | Toskana, Montalcino | 100 % Sangiovese | kraftvoll, sehr langlebig, kommt erst nach fünf Jahren in den Handel |
| Chianti Classico | Toskana, zwischen Florenz und Siena | mind. 80 % Sangiovese | frisch, kirschig, oft säurebetont |
| Montepulciano d’Abruzzo | Abruzzen | mind. 85 % Montepulciano | dunkel, fruchtig, weich – andere Traube! |
Wie gut ein Vino Nobile vom kleinen Winzer gegen die Massenware abschneidet, haben wir übrigens selbst ausprobiert: Im Vino-Nobile-Test trat unser Wein gegen einen Discounter-Nobile an.
Montepulciano besuchen: unsere Tipps
Von Deutschland aus erreichen Sie Montepulciano bequem mit dem Auto: Fahren Sie auf der Autobahn von Bologna Richtung Florenz, lassen Sie Florenz links liegen und folgen Sie den Schildern Richtung Rom. Kurz vor der Grenze zu Umbrien nehmen Sie die Ausfahrt Chiusi und biegen rechts ab. Nach etwa 20 Minuten sehen Sie die Stadt auf ihrem Hügel.
Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Die Altstadt mit ihren schmalen Gassen, Palazzi und Weinkellern lädt zum Bummeln ein. In der Hauptsaison brauchen Sie allerdings Geduld bei der Parkplatzsuche, und Montepulciano wirkt dann recht touristisch.
Vino Nobile di Montepulciano bei Weinistgeil
Unseren Vino Nobile beziehen wir von Montemercurio, einem kleinen Familienweingut am Rande von Montepulciano. Marco Anselmi keltert dort preisgekrönte Weine aus Sangiovese und alten lokalen Sorten.



Preise, Jahrgänge und Verfügbarkeit finden Sie beim jeweiligen Wein im Shop. Alle Vino Nobile im Shop
Häufige Fragen zum Vino Nobile di Montepulciano
Ist Vino Nobile di Montepulciano dasselbe wie Montepulciano d’Abruzzo?
Nein. Der Vino Nobile stammt aus dem Ort Montepulciano in der Toskana und besteht zu mindestens 70 Prozent aus Sangiovese. Der Montepulciano d’Abruzzo kommt aus den Abruzzen und besteht aus der Rebsorte Montepulciano. Die beiden Weine teilen nur den Namen.
Aus welcher Rebsorte besteht Vino Nobile?
Aus Sangiovese, den die Winzer in Montepulciano Prugnolo Gentile nennen. Mindestens 70 Prozent müssen aus dieser Traube stammen, beim neuen Pieve sogar 85 Prozent. Den Rest liefern häufig einheimische Sorten wie Canaiolo Nero, Mammolo oder Colorino.
Was ist der Unterschied zwischen Vino Nobile und Rosso di Montepulciano?
Beide stammen aus demselben Gebiet. Der Rosso di Montepulciano kommt jung in den Handel und kostet weniger. Der Vino Nobile reift mindestens zwei Jahre, die Riserva mindestens drei Jahre, und trägt das höhere Siegel DOCG.
Was bedeutet Pieve beim Vino Nobile?
Pieve ist seit 2025 die höchste Qualitätsstufe. Die Trauben stammen aus einer von zwölf Unterzonen, die nach historischen Landkirchen benannt sind. Ein Pieve-Wein enthält mindestens 85 Prozent Sangiovese, reift mindestens drei Jahre und stammt aus eigenen, mindestens 15 Jahre alten Weinbergen.
Wie lange kann man Vino Nobile lagern?
Ein guter Vino Nobile hält oft zehn Jahre und länger, eine Riserva aus einem starken Jahrgang deutlich mehr. Lagern Sie die Flaschen liegend, dunkel und bei gleichmäßiger Temperatur um 12 bis 15 °C.
Zu welchem Essen passt Vino Nobile?
Zu herzhafter toskanischer Küche: Pici mit Wildschwein-Ragù, Bistecca alla Fiorentina, Lamm, Schmorgerichte und gereifter Pecorino. Servieren Sie den Wein bei 16 bis 18 °C.
Warum heißt der Wein „Nobile“?
Vermutlich, weil lange Zeit vor allem adlige Familien den Wein anbauten und ausschenkten. Schon 1685 nannte ihn der Dichter Francesco Redi den König aller Weine.
Weitere Appellationen aus Mittelitalien

Brunello di Montalcino
100 % Sangiovese aus Montalcino – einer der langlebigsten Rotweine Italiens.



Probieren Sie den edlen Wein aus Montepulciano
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Zuletzt aktualisiert: · Quellen: Consorzio del Vino Nobile di Montepulciano (Pressemappe 2025), eigene Besuche
